Montag, 10. Oktober 2011

Wildes Deutschland (2011)

Die märchenhafte Flusslandschaft des Spreewalds, die Vogelschwärme des nordfriesischen Wattenmeers , die Kreidefelsen auf der Insel Rügen, die markante Landschaft des Schwarzwaldes und die mächtigen Gebirgszüge der Berchtesgadener Alpen - Die Dokumentationsreihe "Wildes Deutschland" zeigt einzigartige Landschaften und deren Tierwelt in den unterschiedlichen Naturlandschaften Deutschlands. Mit Zeitraffer, HD-Zeitlupe, aufwendigen Kamerafahrten und ungewöhnlichen Perspektiven sorgen die Filmemacher für einprägsame Bilder. Nie zuvor gesehene Luft- und Unterwasseraufnahmen zeigen die Einmaligkeit und Vielfalt der porträtierten Biosphärenreservate und Nationalparks.

1.1 Der Spreewald
Die Dokumentation erzählt von diesem ungewöhnlichen Lebensraum, der vom Menschen stark beeinflusst und dennoch naturnah ist. Als wohl reizvollstes Spreewaldidyll gilt das Dorf Lehde, das von zahlreichen Gräben durchzogen, unter schattigen Bäumen versteckt und voller malerischer Winkel ist. In diesem Wasserlabyrinth liegen einige Höfe, viele von ihnen sind auch heute nur mit dem Kahn zu erreichen. Zieht der Winter ein, verbindet Eis die Inseln im Spreewald. Die Kanäle und Wasserstraßen werden für Tage oder Wochen zu komfortablen Geh- und Fahrwegen – wer einmal mühsam einen Kahn be- oder entladen hat, weiß die Hilfe des Winters zu schätzen. Und es ist ein unvergessliches Erlebnis, die außergewöhnlichen Flusslandschaften des Spreewalds per Schlittschuh oder Schlitten zu erleben. Gefühlvoll setzt Christoph Hauschild die einzigartige Flusslandschaft des Spreewalds in Szene. Aufnahmen aus dem Heißluftballon schaffen einen Überblick über die Region. Extreme HD-Zeitlupenaufnahmen von Prachtlibellen, Eisvögeln und Fischottern sowie Zeitrafferaufnahmen gewähren Einblicke in die Welt der tierischen Bewohner des Wasserlabyrinthes und verleihen dem Film seinen besonderen Glanz. - 7,5/10

1.2 Nordfriesland
Zweimal täglich kommt und geht das Wasser an der Küste Nordfrieslands im äußersten Norden Deutschlands. Bei Ebbe legt es das Wattenmeer frei. Das ist stellenweise 40 Kilometer breit und beherbergt zehnmal mehr Tiere als andere Meeresböden. Unzählige Kleintiere – Garnelen, Sandkrabben und Herzmuscheln – locken wiederum große Vogelschwärme an. Das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer gehört zum größten Nationalpark Deutschlands und ist seit 2009 Teil des UNESCO-Weltnaturerbes. Weltweit einzigartig sind die Halligen. Zehn von ihnen gibt es, alle liegen im nordfriesischen Wattenmeer, erreichbar oft nur mit der Lorenbahn oder per Schiff. Anders als Inseln werden Halligen mehrmals im Jahr überflutet und sind dennoch bewohnt. Die Nordfriesen haben ihre Siedlungen hier auf sogenannten Warften errichtet. Das sind Hügel, die auch bei Sturmflut oberhalb der Wasseroberfläche liegen. Das Leben auf den Halligen läuft gemächlicher als auf dem Festland. Ob beim Klönschnack mit dem Halligkaufmann oder bei Kaffee und Kuchen mit dem Postboten, jede Abwechslung ist willkommen. Auf den Halligen spürt man besonders, wie die Natur die Nordfriesen geprägt hat. Es sind unabhängige, selbstbestimmte Menschen, geformt von ihrem freien Blick auf den weiten Horizont, von Wind und Wetter und natürlich von der See. Im Frühjahr rasten riesige Vogelschwärme auf den Salzwiesen Nordfrieslands und im Wattenmeer. Hier finden sie reichlich Nahrung. Auf Sandbänken ruhen sich Seehunde und Kegelrobben von ihren Tauchgängen aus. Drei Viertel ihres Lebens verbringen sie im Wasser. Die Dokumentation zeigt Nordfriesland im Wandel der Jahreszeiten. - 8/10

1.3 Der Schwarzwald - Geheimnisvoller dunkler Tann
Der Schwarzwald ist weltweit bekannt durch Kuckucksuhren und Schwarzwälder Kirschtorte. Doch hat die Region vielmehr zu bieten: In den Bergwäldern steht die Weißtanne, bis zu 60 Meter hoch wird – Europarekord. Ein letzter beeindruckender Baumriese im Nordschwarzwald ist die 230 Jahre alte, sogenannte Großvatertanne, die mit einem Stammumfang von 1,65 Metern und einer Höhe von 45 Metern sämtliche Baumwipfel der Umgebung überragt. Versteckt in lichten Altholzbeständen lebt der Auerhahn. Die extrem scheuen Vögel sind durch die Zerstörung ihres Lebensraumes, den Klimawandel und wachsenden Tourismus akut vom Aussterben bedroht. Seit kurzem schleichen wieder vereinzelt Luchse und Wildkatzen aus den angrenzenden Vogesen und Schweizer Alpen durch den Schwarzwald. Im letzten Jahrhundert hier ausgerottet, kehren die beiden Katzenarten nahezu unbemerkt in ihren angestammten Lebensraum zurück. Auch alpine Tiere und Pflanzen, die die Eiszeit in rauer Höhe über die Jahrtausende überdauert haben, gibt es im Schwarzwald. Zwei typische Vertreter sind die alpine Gebirgsschrecke und der gelbe Enzian. Zu den markanten Landschaften im Schwarzwald zählen mit den Triberger Wasserfällen die höchste Wasserfallkaskade Deutschlands, die blütenreiche Wutachschlucht, unberührte Bannwälder, Hochmoore und mehr als 50 Berge über tausend Meter Höhe. Der Feldberg ragt mit fast 1.500 Meter über das Mittelgebirge. Von hier hat man einen einmaligen Ausblick über den südlichen Schwarzwald, der zum Wandern und Genießen einlädt. Bei klarer Sicht scheinen die Alpen zum Greifen nah. - 7,5/10

1.4 Vorpommerns Küste
Im Nordosten Deutschlands liegt an der Ostsee eine der schönsten Naturlandschaften des Landes. Die Kreidefelsen der Insel Rügen ragen knapp 120 Meter in den Himmel und bieten den seltenen Wanderfalken Brutmöglichkeiten. In den Buchenwäldern von Jasmund am Rande der weißen Klippen ziehen Dachse und Damhirsche ihre Jungen auf. Die Bodden genannten Lagunen zählen zu den artenreichsten Regionen Vorpommerns. Sie sind nur durch schmale Meerengen mit der Ostsee verbunden und bieten Nist- und Rastplätze für eine Vielzahl von Vögeln. So rasten im Herbst bis zu 60.000 Kraniche in der Region, in der auch Seeadler auf die Jagd gehen. Im Darßer Urwald kommen Hirsche bis in die Dünengürtel der Strände. Dort liefern sich die Bullen zur Brunft erbitterte Kämpfe; ein Anblick, den man so nur an Vorpommerns Küste erlebt. Im Schatten des Leuchtturms am Dornbusch auf der Insel Hiddensee liegt eine der wenigen Zwergseeschwalben-Kolonien der Ostsee. Die Küken dieser kleinsten Seeschwalbenart sind kaum größer als eine Streichholzschachtel. In nur drei Wochen werden sie flügge. Ende September beginnt die Wanderung der Meerforellen. Sie ziehen in die Flüsse Mecklenburgs zu ihren Laichplätzen. Tierschützer fangen dann etwa 250 Weibchen und 50 Männchen, um die Tiere unter kontrollierten Bedingungen zu vermehren. Auf diese Weise hoffen sie, den Bestand der Art zu stabilisieren. Die Natur an Vorpommerns Küste ist außergewöhnlich. Die einzigartige Landschaft zwischen Ostsee und Bodden steht seit 1990 unter strengem Schutz. Der Nationalpark ist mit über 80.000 Hektar neben dem Nationalpark Wattenmeer an der Nordsee das größte Schutzgebiet Deutschlands. - 8,5/10

1.5 Die Berchtesgadener Alpen
Extreme Lebensräume wie die Karstlandschaften des Steinernen Meeres, der Watzmann mit der höchsten Felswand der Ostalpen, das Wimbachgries mit seinen ständig wandernden Schuttströmen und der Königssee, einer der tiefsten Seen Deutschlands, gehören zum Nationalpark Berchtesgaden. Wer in dieser Wildnis überleben will, muss perfekt an seine Umwelt angepasst sein. Die Dokumentation stellt einige der interessantesten Bergbewohner vor. In schwindelnder Höhe befinden sich Gämsen mit ihren neugeborenen Kitzen, stets auf der Hut vor den Fängen des Steinadlers, und Tarnkünstler wie das Schneehuhn und Bergblumen wie das legendäre Edelweiß. Auf den Hochalmen balgen sich Murmeltiere, und in den Tiefen des Königssees laicht die Aalrutte – ursprünglich ein Meeresfisch, den es vor zehn Millionen Jahren ins Süßwasser verschlagen hat. - 8/10

1.6 Die sächsische Schweiz
Winter im Nationalpark Sächsische Schweiz – die berühmten Basteifelsen mit der angrenzenden Brücke sind von Schnee bedeckt. Die Tage sind kurz, doch in den Schluchten herrscht sie nicht, die dunkle Jahreszeit: Weil die meisten Bäume kein Laub tragen und die Schneedecke das Licht reflektiert, ist es hier unten heller als sonst im Jahr. Und obwohl Schnee und Eis die Bäche säumen, sind die Wasseramseln äußerst aktiv. Die kleinen Vögel tauchen im eisigen Wasser nach Köcherfliegenlarven. Aufmerksam beobachten die Männchen jeden Eindringling: Wasseramseln besetzen ihre Reviere viel früher im Jahr als die meisten anderen Singvögel. Hoch über ihren Köpfen ziehen es andere Tiere vor, den Winter zu verschlafen: Mehrere Gartenschläfer liegen dicht an dicht in einer Felshöhle. Die kleinen Nagetiere haben Atmung und Herzschlag auf ein lebensnotwendiges Minimum reduziert. Erst wenn es draußen wieder warm wird und ausreichend Nahrung zu finden ist, erwachen sie für wenige Monate aus dem Schlaf. Sobald das Frühjahr den Schnee auf den Gipfeln schmelzen lässt und die Sonne den Sandstein erwärmt, steigen dichte Dampf- und Nebelschwaden über die Felsen der Sächsischen Schweiz. Bis heute sind Felsriffe und -türme in ihrer natürlichen Form erhalten – eine Erosionslandschaft aus uralten Meeressedimenten. - 8/10

Insgesamt eine sehr schöne dokumentation über Deutschland, die den BBC-Dokumentationen in kaum etwas nachsteht. Es wird auf Natur, Tiere und den Menschen sowohl als Teil des Systems, als auch als Veränderer eingegangen, letzteres aber nur am Rande. dies trübt etwas den Eindruck. Dennoch: so hat man Deutschland defintiv noch nie gesehen. Tolle Bilder, schöne Musik, informativ und interessant. Eine sehr gute Dokumentationsreihe.

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